Dyskalkulie erkennen: Anzeichen bei Kindern

Kurz: Bei einer Dyskalkulie hat ein Kind über lange Zeit deutlich mehr Mühe mit den Grundrechenarten als andere Kinder. Typische Hinweise sind Rechnen mit den Fingern auch bei kleinen Aufgaben, Zahlendreher wie 13 statt 31 und Probleme beim Zehnerübergang. Ob es wirklich eine Dyskalkulie ist, kann nur eine fachliche Diagnose klären, keine Liste im Internet.

Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen zum Stand 8. November 2026. Er ersetzt keine Rechts- oder ärztliche Beratung im Einzelfall.

Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie heißt: Ein Kind hat kein sicheres Gefühl für Zahlen und Mengen. Für die meisten Kinder ist eine Zahl wie die 5 mehr als ein Zeichen. Sie sehen fünf Dinge, ohne zu zählen, und wissen, dass 5 mehr ist als 4. Einem Kind mit Dyskalkulie fehlt genau das. Es lernt Zahlen und Rechenwege auswendig, versteht aber nicht, was dahintersteht. Deshalb vergisst es sie schnell wieder, auch wenn Sie viel üben.

Ein Kind mit Dyskalkulie ist nicht dumm und nicht faul. Ihm fehlt die Grundlage, auf der das Rechnen aufbaut. Am besten zeige ich das an der Zahl 5:

Menge

Mit gutem Zahlenverständnis

„Ich sehe sofort 5 Dinge.“

Bei Dyskalkulie

„Ich muss erst zählen, um zu wissen, wie viele es sind.“

Größe

Mit gutem Zahlenverständnis

„Ich weiß: 5 ist mehr als 4 und weniger als 6.“

Bei Dyskalkulie

„Ich weiß nicht genau, wie groß 5 ist.“

Zerlegen

Mit gutem Zahlenverständnis

„Ich weiß, dass 5 aus 2 und 3 oder aus 4 und 1 besteht.“

Bei Dyskalkulie

„Ich lerne es auswendig und verstehe nicht, warum es so ist.“

Zahlenstrahl

Mit gutem Zahlenverständnis

„Ich finde die 5 auf dem Zahlenstrahl sofort.“

Bei Dyskalkulie

„Ich kann die 5 nicht sicher einordnen.“

Beziehungen

Mit gutem Zahlenverständnis

„5 ist eins mehr als 4, eins weniger als 6 und viel weniger als 10.“

Bei Dyskalkulie

„Ich erkenne die Zusammenhänge nicht von selbst.“

Die Zahl 5, einmal mit gutem Zahlenverständnis und einmal bei Dyskalkulie. Nach meiner Grafik für 123 Mathe Power.

Genau bei diesem Verständnis für Zahlen setze ich in der Förderung an.

Die Fachbegriffe kurz: Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Rechenstörung, in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) mit der Nummer F81.2. Sie ist kein vorübergehendes Problem und nicht durch zu wenig Unterricht oder eine geringe Intelligenz erklärbar. „Rechenschwäche“ sagen Eltern und Schulen im Alltag, das Schulministerium NRW spricht von „Rechenschwierigkeiten“. Laut der medizinischen S3-Leitlinie von 2018 sind etwa 3 bis 6 Prozent der Menschen betroffen.

Frühe Anzeichen einer Rechenschwäche

Einzelne Punkte sagen wenig. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn mehrere Dinge zusammenkommen und über Monate bleiben. Für die Grundlagen, im Fachjargon den basalen Bereich, nennt der Kölner Arbeitskreis LRS & Dyskalkulie diese Hinweise:

  • Ihr Kind kann schlecht sagen, was mehr oder weniger ist, was größer oder kleiner ist.
  • Es erkennt Würfelbilder viel langsamer als andere Kinder.
  • Es ordnet Ziffern nicht sicher der richtigen Menge zu.
  • Es kennt die Nachbarzahlen nicht, also die Zahl davor und danach.
  • Es bringt Wochentage und Monate durcheinander.

Laut Arbeitskreis kann eine Rechenschwäche schon im Kindergarten auffallen. Spätestens gegen Ende der ersten Klasse sollte sie auffallen. Dann sollte sich ein Kind im Zahlenraum bis 20 bewegen können.

Was Eltern mir beim ersten Anruf oft erzählen: Das Kind vertauscht Zahlen, kommt bei Aufgaben nicht weiter und hat keine Lust mehr aufs Lernen. Manche Kinder denken inzwischen, sie seien dumm. Oft hat ihr Selbstvertrauen in Mathe schon seit der ersten Klasse gelitten.

Spätere Anzeichen in der Grundschule

In der weiteren Entwicklung beobachtet man laut Arbeitskreis zum Beispiel:

  • Ihr Kind rechnet auch 3 + 4 noch mit den Fingern.
  • Es verdreht Zahlen beim Lesen oder Schreiben, zum Beispiel 13 statt 31.
  • Der Zehnerübergang gelingt nicht, also Aufgaben wie 8 + 6.
  • Es beachtet den Stellenwert nicht. Es rechnet zum Beispiel 23 + 40 = 27, weil es die 4 zur 3 zählt.
  • Das Einmaleins geht immer wieder verloren, obwohl Sie viel üben.
  • Was gestern klappte, klappt heute nicht mehr.
  • Minus und Geteilt fallen sehr schwer.
  • Platzhalteraufgaben wie 7 + ☐ = 12 sind kaum zu lösen.
  • Ihr Kind kann nicht abschätzen, ob ein Ergebnis ungefähr stimmen kann.
  • Textaufgaben versteht es kaum oder gar nicht.
  • Die Uhr mit Zeigern ist schwer zu lesen.
  • Mit Geld, Maßen und Gewichten kann es wenig anfangen.

Woran Eltern die Überforderung im Alltag merken

Oft sieht man auch die Folgen der dauernden Überforderung. Der Arbeitskreis nennt unter anderem:

  • Mathe-Hausaufgaben dauern sehr lange und enden in Frust.
  • Beim Kopfrechnen vergisst Ihr Kind die Aufgabe, während es noch rechnet.
  • Vor Klassenarbeiten ist es nervös, ihm ist übel oder es hat Kopfschmerzen.
  • Es macht Quatsch, um vom Rechnen abzulenken.
  • Es meidet Gesellschaftsspiele, bei denen Punkte gezählt werden.
  • Es kann schlecht einschätzen, wie lange etwas dauert.

Bleiben mehrere dieser Dinge über Monate, lohnt ein Gespräch mit der Schule.

Wann Matheprobleme mehr als eine Phase sind

Fast jedes Kind hat mal eine schlechte Mathearbeit. Das ist noch keine Rechenschwäche. Ein Hinweis auf mehr ist es, wenn die Schwierigkeiten über viele Monate bleiben, obwohl Ihr Kind übt und die Schule fördert.

Manche Ursachen müssen Fachleute ausschließen:

  • Sieht und hört Ihr Kind gut? Der Arbeitskreis empfiehlt eine Seh- und Hörprüfung, wenn es Hinweise auf Probleme gibt.
  • Hat Ihr Kind viel Unterricht verpasst? Rechenschwierigkeiten, die hauptsächlich durch unzureichenden Unterricht entstehen, zählen laut ICD nicht als Rechenstörung.
  • Fällt Ihrem Kind das Lernen in allen Fächern schwer? Dann kann etwas anderes dahinterstecken.

Aus dieser Liste kann niemand eine Diagnose stellen, auch ich nicht. Sie hilft Ihnen, Ihre Beobachtungen zu ordnen.

Wer stellt in Düsseldorf eine Dyskalkulie fest?

Eine Diagnose stellen Fachleute mit normierten Tests. Normiert heißt: Das Ergebnis Ihres Kindes wird mit vielen gleichaltrigen Kindern verglichen. Dazu gehören laut Arbeitskreis ein ausführliches Gespräch über die Entwicklung Ihres Kindes, ein Rechentest und ein Intelligenztest.

Der Arbeitskreis nennt diese Stellen:

  • eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
  • ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ), also eine Ambulanz für Kinder mit Entwicklungsfragen.

Auch die Schulpsychologie kann beraten und teils testen. Für einen Antrag beim Jugendamt reicht das laut Kölner Arbeitskreis in der Regel nicht, weil das Jugendamt eine Stellungnahme etwa aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie braucht. In Düsseldorf berät das Zentrum für Schulpsychologie der Stadt in der Willi-Becker-Allee 10. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Ob das Zentrum auch auf Dyskalkulie testet, fragen Sie dort am besten direkt.

Wer welche Stellungnahme für das Jugendamt schreiben darf, regelt § 35a SGB VIII. Das steht im Abschnitt Kann das Jugendamt die Förderung bei Dyskalkulie bezahlen?

Ich selbst stelle keine ärztliche Diagnose. Ich teste Ihr Kind förderdiagnostisch: Ich schaue, was es beim Rechnen schon sicher kann und wo es hängt. Daraus schreibe ich einen Förderplan. In rund 20 Jahren an Förderschulen habe ich Diagnoseverfahren zu Dyskalkulie und LRS durchgeführt.

Gibt es schon Berichte, etwa vom Kinderpsychologen oder vom SPZ, schaue ich sie mir an und bespreche sie mit Ihnen und Ihrem Kind.

Was Sie als Nächstes tun können

  1. Beobachten und aufschreiben. Notieren Sie, bei welchen Aufgaben Ihr Kind hängt und wie lange die Mathe-Hausaufgaben dauern. Konkrete Beispiele helfen in jedem Gespräch.
  2. Mit der Schule sprechen. Die Mathelehrerin oder der Mathelehrer kennt Ihr Kind im Unterricht. Das Schulministerium NRW sieht bei Rechenschwierigkeiten zuerst die Förderung in der Schule vor. Welche Hilfen es bei Klassenarbeiten geben kann, steht im Artikel Nachteilsausgleich bei Dyskalkulie in NRW.
  3. Ärztlich abklären lassen. Der Kinderarzt kann Sehen und Hören prüfen und bei Bedarf weiter überweisen.
  4. Ein Kennenlerngespräch vereinbaren. Bei mir ist das erste Gespräch kostenlos. Es dauert 60 Minuten und findet im Bürgerhaus Bilk in der Bachstraße 145 statt. Wie die Förderung danach aussieht, steht auf der Seite Förderung bei Dyskalkulie und Rechenschwäche.

Häufige Fragen

Ist Rechnen mit den Fingern ein Zeichen für Dyskalkulie?

Nicht unbedingt. Am Anfang der Grundschule rechnen viele Kinder mit den Fingern. Auffällig ist es, wenn ein Kind auch kleine Aufgaben wie 3 + 4 noch zählend löst. Der Kölner Arbeitskreis nennt das als einen möglichen Hinweis.

Ab welchem Alter kann man Dyskalkulie erkennen?

Laut Kölner Arbeitskreis kann eine Rechenschwäche schon im Kindergarten auffallen, spätestens gegen Ende der ersten Klasse. Weil Kinder in NRW die Schuleingangsphase, also die Klassen 1 und 2, auch drei Jahre besuchen können, wird die Diagnose oft erst an deren Ende gestellt.

Wer bezahlt den Test auf Dyskalkulie?

Laut Kölner Arbeitskreis übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Testung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und im SPZ. Beratung bei der Schulpsychologie ist kostenlos; ob sie auch testet, ist von Stadt zu Stadt verschieden. Tests in privaten Lern- oder Recheninstituten zahlen Eltern selbst.

Hat ein Kind mit Dyskalkulie eine geringere Intelligenz?

Nicht unbedingt. Laut ICD ist eine Rechenstörung nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung erklärbar. Deshalb gehört ein Intelligenztest zur Diagnose. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie der LMU München schreibt dazu: „Die Rechenstörung ist nicht vorübergehend und nicht durch eine niedrige Intelligenz oder fehlende schulische Unterrichtung verursacht.“

Quellen

Wo Ihr Kind beim Rechnen oder Lesen steht, schauen wir uns im Kennenlerngespräch an.

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